Willkommen auf unserem Blog

In unserem Blog möchten wir über unsere Erlebnisse und Erfahrungen erzählen und berichten, auf welche Barrieren wir als Gehörlose/Taube in unserem Leben im Saarland stoßen, z.B. in der Gesellschaft, in der Freizeit, in der Schule oder im Beruf. Dabei haben wir sicherlich eine andere Perspektive als "Fachleute"... und möchten uns auch politisch und sozial für unsere sprachliche und kulturelle Minderheit engagieren.

Über eure Kommentare über Erfahrungen, Meinungen, Anregungen usw. würden wir uns freuen.



05.08.2020

Bild: privat
Bild: privat

 

 

 Endlich mal Anspruch 
auf den Einsatz der Gebärdensprachdolmetscher für gehörlose Eltern, aber ...

 

Ich fasse es nicht!

 

Vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass es beim Elternabend einen Anspruch auf den Einsatz der Gebärdensprachdolmetscher gibt, der inzwischen sogar im saarländischen Gesetz verankert ist. Aber 2 saarländische Ministerien streiten sich darum, wer den Prozess organisiert und die Kosten übernimmt, weil sie beide das NICHT bei sich haben wollen.

 

Was mich umgehauen hat ist, dass die beiden Ministerien sich nur den Ball hin und her werfen, die gehörlosen Eltern stehen dumm da und können am Elternabend nicht teilnehmen, da sie ohne Einsatz der Dolmetscher keine vollen Informationen beim Elternabend mitkriegen, im Gegensatz zu anderen normalen Eltern, egal wieviel diese verdienen und egal wie sie leben. Laut UN-Behindertenrechtskonvention dürfen wir nicht benachteiligt werden. Wie denn?

 

Schon seit vielen Jahren leben wir immer am Rand der Gesellschaft und haben kaum Recht auf Teilhabe, da unser noch so großer Wunsch auf Teilnahme bislang oft an den Kosten scheitert. Welches Recht haben wir noch, die wir doch brav sind und immer Steuern usw. zahlen? 

 

Man muss mehr Druck auf das Ministerium ausüben, oder? Was machen die Gehörlosen-Vereine? Was macht der Landesverband der Gehörlosen? Ich vermisse die Unterstützung von gehörlosen Seiten.

 

Wie gesagt, kann man durch ehrenamtliche Vereins- oder Verbandsarbeit nicht alles stemmen. Ja klar, das ist vollkommen richtig, aber gehörlose Eltern sind wirklich arme Schweine, nur weil sie frei und unabhängig wie die Anderen leben möchten.

 

Aber es gibt leider sehr viele Leute, die mit genug Privilegien aufgewachsen sind und einfach wegschauen und die Realität leugnen wollen. Ein erschreckender Mangel an Empathie auf allen Seiten.

 

Über eure Kommentare zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen!

 

Von Peter geschrieben!

 


Kommentar/e: 4

#4

Datum: 04. September 2020

Name: Peter

Kommentar: Vor kurzem habe ich mitbekommen, dass eine Dolmetscherin für Deutsche Gebärdensprache diese Woche beim Elternabend für gehörlose Eltern von der Schule bereitgestellt wurde. ENDLICH nach 2 Jahren müssen diese Eltern keine EXTRAkosten für den Einsatz der Dolmetscher tragen. Super, aber leider sind Gehörlose immer noch in den meisten öffentlichen saarländischen Einrichtungen benachteiligt.

 

Sigrid hat recht! Es werden uns immer noch Steine in den Weg gelegt, was die gesellschaftliche Teilnahme betrifft!


#3

Datum: 04. September 2020

Name: Sigrid

Kommentar: Zu diesem Artikel - und zu diesem Thema - muss ich jetzt nochmal einen Kommentar schreiben ...

 

Danke Peter für den Kontakt und den Austausch in den letzten Tagen ... hier zeigt sich wieder: über eine Situation diskutieren kann sehr informativ sein!

 

Ich habe folgende Anmerkungen zum Kommentar von Peter:

 

Federführend bei der Bezahlung von Dolmetscher*innen für Deutsche Gebärdensprache bei Elterngesprächen in der Schule ist das Ministerium für Bildung. Von diesem Ministerium wird zur Zeit über "Kommunikationshilfen für Erziehungsberechtigte mit Hörbehinderungen oder Sprachbehinderungen" informiert.

 

Das Ministerium hatte im Januar 2020 verschiedene Schulen angeschrieben und nachgefragt, wo Kommunikationshilfen erforderlich sind. Ich kann nur hoffen, dass ALLE gehörlosen Eltern bzw. erziehungsberechtigte gehörlose Personen, die schulpflichtige Kinder haben, auch informiert wurden. Die Regelung gilt für das Schuljahr 2020/2021, ist also noch gar nicht rechtlich verankert. Die Eltern müssen einen "Antrag auf Erstattung für den Einsatz einer Kommunikationshilfe für Erziehungsberechtigte in Schule" ausfüllen und diesen in der Schule abgeben. Dann werden die Kosten für Dolmetscher*innen für Deutsche Gebärdensprache oder Schriftdolmetscher*innen übernommen.  Die Schulen bestellen in der Regel die Kommunikationshilfen, und empfohlen die Kontaktlisten der Dolmetscherzentrale oder an die LAG Dolmetscher*innen für Deutsche Gebärdensprache oder die Kontaktadresse für Schriftdolmetscher*innen mit den jeweiligen Links. Gut und schön ... nur kennen die Schulen leider die Qualität der Dolmetscher*innen nicht. Aber zum Glück dürfen die Eltern selbst entscheiden, ob sie selbst die Kommunikationshilfen bestellen möchten. Das ist die Chance, einen/eine Dolmetscher*in zu bestellen, die man kommunikativ am besten versteht.  Und das sollten die Eltern/Erziehungsberechtigten auch in Anspruch nehmen, um größtmögliche Kommunikationssicherheit zu haben.

 

Die Dolmetschereinsätze werden für Elternabende, Zeugnisgespräche, Entwicklungs- und Förderplangespräche sowie die schulischen Informationsveranstaltungen vor Einschulung und beim Wechsel in Sekundarstufe 1 bezahlt.  Was ist mit Einzelgesprächen wenn z. B. das Kind individuelle Probleme hat? Was ist mit Schulaufführungen? Was ist mit Schulentlassfeiern? Und ... und ... und ...

Und wie werden Eltern informiert, deren Kinder jetzt zur Schule kommen bzw. deren Schule bei der Umfrage im Januar 2020 nicht berücksichtigt wurden?

 

Vor allem anderen ist jedoch ganz und gar unverständlich wieso es immer noch keine rechtliche Verankerung der Kostenübernahme gibt obwohl nach Landtagsbeschluss im Juni 2019 bereits seit über einem Jahr der gesetzliche Anspruch auf die Kostenübernahme besteht.

 

Wie Peter geschrieben hat: es gibt im Internet keine Informationen, wie sollen gehörlose Eltern sich informieren, welche Möglichkeiten der Kostenübernahme es gibt und an welche Stelle sie sich wenden können bzw. wo sie den Antrag für die Kostenübernahme stellen können?

 

Und: von den Ministerien gibt es Ermessungsentscheidungen, die zum Teil nicht nachvollziehbar sind. Wurden Betroffene nicht gefragt?

 

Wir bleiben dran an dieser Sache ... sie ist zu wichtig, um sich mit dem bisher erreichten zufrieden zu geben, das bisher erreichte ist nicht genug.

 

Hier möchte ich noch drauf hinweisen, dass Ermessungsentscheidungen unserer Landesregierung auch in anderen Belangen ein "Witz" sind: Die saarländische Landesregierung hat das Gesetz zum inklusiven Wahlrecht verabschiedet. In diesem Gesetzentwurf wurde nicht festgelegt, dass die Wahllokale barrierefrei sein müssen. Menschen mit Behinderungen dürfen also wählen, aber wie sie ins Wahllokal reinkommen ... tja ... nicht das Problem unserer Regierung.

 

Typisch Saarland - unser Land für ALLE!

Sorry ...


#2

Datum: 01. September 2020

Name: Peter

Kommentar: Für den Kommentar und auch für das tolle Engagement von Sigrid bedanke ich mich sehr und möchte kurz mitteilen, was ich vor kurzem erfahren habe: Ein Ministerium (ich weiß nicht welches) übernimmt fortan die Dolmetscherkosten für Elternabende, Zeugnisgespräche, Entwicklungs- und Förderplangespräche sowie die schulischen Informationsveranstaltungen usw. Die Rechnung wird danach über die jeweilige Schule an dieses Ministerium weitergeleitet.

 

Ich begrüße diese Lösung vom Ministerium wirklich sehr, da diese nun ENDLICH alles auf den Punkt bringt. Im Internet finde ich jedoch keine konkreten Informationen darüber und frage mich, ob es auch möglich ist, dass die Kosten ALLER schulischen Anlässe, z.B. von Schulfesten, Schultheatervorführungen übernommen werden, sodass alle Eltern der Schulkinder diese Anlässe besuchen können.

 

In jedem Fall sollen diesbezüglich keine Ermessensentscheidungen des Ministeriums getroffen werden. In diesem Fall würden sich die gehörlosen Eltern weiterhin von der vollen und gleichberechtigten Teilhabe ausgeschlossen fühlen. Laut der UN-Behindertenrechtskonvention darf NIEMAND ausgeschlossen.

 

Und noch etwas: Sigrid schrieb in Ihrem Kommentar über das unmögliche Verhalten der Richter beim Amtsgericht Saarbrücken. Ich als Zuschauer habe dies auch miterlebt und vor ca. 3 Jahren einen Blogartikel darüber geschrieben. Daher empfehle ich Euch noch die 2 nachfolgenden Artikel  zu lesen:  


#1

Datum: 31. August 2020

Name: Sigrid

Kommentar: Als Vorsitzende eines Gehörlosenvereins im Saarland werde ich auch immer wieder zum Problem "Dolmetscher*innen für Deutsche Gebärdensprache bei Elternabenden in der Schule" angesprochen und um Unterstützung gebeten. Mit einigen Einrichtungen hatte ich dann Mailkontakt - und ich kann die Aussage von Peter bestätigen: Das Ministerium für Bildung und das Ministerium für Soziales schieben sich gegenseitig die Zuständigkeit zur Kostenübernahme zu - der Streit geht schon seit Sommer 2019 - und wird hier auf dem Rücken gehörloser Eltern ausgetragen, die einfach nur eins wollen: ihre Erziehungspflicht für ihre Kinder erfüllen und ihnen größtmögliche Chancen im Schulalltag und bei der Bildung sowie bei der gleichberechtigten Fürsorge erfüllen.

 

Ich hatte im Februar 2020 die Chance genutzt und mich zur Bürgersprechstunde mit Herrn Ministerpräsident Tobias Hans angemeldet. Mit Unterstützung einer Dolmetscherin für Deutsche Gebärdensprache war ein sehr gutes Gespräch in der Staatskanzlei in Saarbrücken. Herr Hans zeigte sich sehr offen für die Probleme: ich hatte mir zwei Themen ausgesucht: das Problem Dolmetschen bei Elternabenden und das unmögliche Verhalten der Richter beim Amtsgericht Saarbrücken, das ich ebenfalls bei einer Gerichtsverhandlung miterlebt habe.

 

Zum Thema Gebärdensprachdolmetscher*innen bei Elternabenden zeigte sich Herr Hans überrascht, dass es noch kein Ergebnis der Kostenübernahme gibt, obwohl der Anspruch laut Gesetzesbeschluss vom 19. Juni 2019 bereits seit längerer Zeit besteht. Pikant ist hier: angeblich gibt es nur im Kreis Neunkirchen Probleme. Ich habe Herrn Hans gesagt: es gibt im ganzen Saarland Probleme! Im Kreis Neunkirchen hatten zwei gehörlose Elternpaare den Mut, mit dem Problem und der Unterstützung von Frau Moser-Meyer an die Öffentlichkeit zu gehen, deshalb ist dieses Problem auch bekannt geworden. Im restlichen Saarland sind die gehörlosen Eltern ebenfalls unzufrieden, genervt und fühlen sich allein gelassen. Diese trauen sich aber nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen, schlicht wegen dem Kommunikationsproblem. Wer zahlt die Dolmetschkosten beim Protestieren??? Wer unterstützt? Auf diesem Weg auch nochmals ein Kompliment an Frau Moser-Meyer vom Landkreis Neunkirchen, die sich sehr engagiert einsetzt und sich auch sehr für die Welt der Gehörlosen interessiert.

 

Hier werde ich Herrn Hans nochmal an unser Gespräch erinnern.

 

In Sachen Amtsgericht Saarbrücken habe ich Unterlagen des Schriftverkehrs aus der damaligen Gerichtsverhandlung kopiert und hoffe, es tut sich was.

 

Und unsere Landesregierung: tja ... die hat sich auf die Fahnen geschrieben: Unser Land für ALLE ... für alle???

Der neueste Beschluss ist ja, dass Wahllokale nicht barrierefrei erreichbar sein müssen.

So ist es in unserem Land für ALLE ... da ist wirklich eine ganze Menge Luft nach oben!

 


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07.07.2020

Foto: pixabay.com
Foto: pixabay.com

 

Sind wir über die Situation mit der Bestellung der Dolmetscher*innen nicht genug informiert...?

 

Nun bin ich bereit, etwas zu erzählen, das im letzten Jahr beim Besuch eines Facharztes passiert ist. Im Wartezimmer saß ich neben meiner Dolmetscherin auf dem Stuhl und habe zufällig eine nette gehörlose ältere Frau getroffen, die ich noch nie gesehen hatte. Kurz nach der Kennenlern-Unterhaltung habe ich sie gefragt, wie sie mit dem Arzt kommuniziert und ob sie ein*e Dolmetscher*in benötigt. Sie gab ehrlich an, dass sie nicht weiß, ob es mit der Kommunikation mit dem Arzt klappt, und keine Ahnung hat, wie man Dolmetscher bestellen kann. Ihr erwachsener Sohn, der hörend ist, ist eigentlich immer für sie da, hatte aber in letzter Zeit keine Zeit, sie zu begleiten. Die Frau würde sich sehr freuen, wenn jemand beim Arztgespräch für sie dolmetschen könnte.

 

Gleichzeitig meldete sich eine Arztgehilfin „ratlos“ bei meiner Dolmetscherin, die ich vorab bestellt und mitgebracht habe, und fragte, ob sie bereit wäre, für diese Frau beim Gespräch zu dolmetschen. Glückerweise hatte die Dolmetscherin keinen nächsten Termin und stand ihr zur Verfügung.

 

Die Frau hat sich sehr gefreut. Es freute mich auch für sie und auch für den Arzt, dass es mit der Kommunikation geklappt hat. Außerdem gab ihr die Dolmetscherin eine Visitenkarte. Sie kann sie beim nächsten Mal bestellen, wenn sie mag. Die gesetzliche Krankenkasse ist laut Gesetz verpflichtet, die Kosten für die Verdolmetschung usw. zu übernehmen. Das heißt: Die Frau trägt keinen Cent der Kosten!

 

Eines Tages habe ich mitbekommen, dass der Sohn dieser gehörlosen Frau die Dolmetscherin am Abend anrief und ihr sagte, dass sie sich nicht bei seiner Mutter einmischen und ihre Finger von der Mutter lassen soll. Was meint er genau? Hat die Mutter kein Selbstbestimmungsrecht? 

 

Beim Übersetzen im Arztgespräch bleibt die Dolmetscherin neutral und objektiv. Außerdem ist es ihre Aufgabe, dass die Kommunikation zwischen den hörenden und den gehörlosen Menschen gelingt. Sie unterliegt sowieso der strikten Schweigepflicht.

 

Unglaublich, was ihr Sohn sagte! Ich würde ihn in den Arsch treten. *kopfschüttel*

 

Wie hätte es mit der Kommunikation ausgesehen, wenn meine Dolmetscherin und ich nicht da gewesen wären? Es wäre voll diskriminierend gewesen für sie! Vielleicht ist sie daran gewöhnt, aber heutzutage muss sie das nicht mehr selbstverständlich hinnehmen.

 

Eigentlich bin ich gut informiert, wie man eine*n Dolmetscher*in bestellen kann, und frage mich, ob alle anderen genauso gut informiert sind wie ich. Ich glaube eher nicht und fände es super, wenn die gehörlosen Vereine (oder auch der Landesverband) sich mehr anstrengen, die wichtigen Informationen darüber REGELMÄSSIG persönlich gebärdet an die Mitglieder weiterzugeben, da manche Leute der Schriftsprache nicht mächtig sind, keine E-Mail-Adresse besitzen oder ähnliches.

 

Diese Frau ist langjähriges Mitglied bei einem Gehörlosenverein und hat ab und zu die Versammlung besucht. Es muss unbedingt diskutiert werden, warum nicht alle die Infos bekommen haben und wie man das besser machen kann. Ich wette, dass viele darüber nicht Bescheid wissen, weil sie meistens nur zum Unterhalten in der Versammlung da sind.

 

Über eure Kommentare zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen!

 

Von Peter geschrieben!

 


Kommentar/e: 1


#1

Datum: 31. 08.2020

Name: Sigrid

Kommentar: Einfach nur schade, wie das gelaufen ist!

Die Reaktion vom Sohn ist unverschämt, seine Mutter hat Anspruch auf selbstbestimmtes Leben und eigene Entscheidungen.

 

Aus Reaktionen in unserem Verein weiß ich: man kann nur immer und immer wieder informieren, dass es Dolmetscher*innen für Deutsche Gebärdensprache gibt, welche Aufgaben diese Dolmetscher*innen haben, und dass sie unter Schweigepflicht stehen und neutral sein müssen. Leider ist es so, dass das Saarland eines der letzten Bundesländer mit qualifizierten Dolmetscher*innen für Deutsche Gebärdensprache ist und sich die Inanspruchnahme nur schwer durchsetzt - vor allem bei älteren Gehörlosen, deren Generation nicht so selbstbewusst ist und die gewohnt sind, "dass die Kinder das machen" und sich da auch fügen.

 

Darüber hinaus sind die aktuellen Listen der Dolmetscher*innen für Deutsche Gebärdensprache bezw. Kommunikationsassistentinnen/Kommunikationsassistenten unvollständig und fehlerhaft und die Dolmetscherzentrale für Gebärdensprachdolmetscher*innen sehr schwer ausfindig zu machen. Hürden, die eigentlich nicht sein müssten. Und Gebärdensprachdolmetscher*innen, die eigentlich keine sind und im besten Fall Kommunikationsassistenten machen die Akzeptanz auch schwierig. Es gib ausgebildete, staatlich geprüfte, qualifizierte Dolmetscher*innen für Deutsche Gebärdensprache im Saarland, ja,  - soweit mir bekannt ist, bisher nur 4, von denen eine diese Tätigkeit Anfang 2021 niederlegen wird. Aber die muss man erst mal finden, und die sind, weil es halt zuwenige sind, ständig ausgebucht.

 

Man kann immer nur wieder an die Betroffenen appellieren: traut Euch zu fragen, wenn Ihr Hilfe, Unterstützung oder eine Dolmetscherin/einen Dolmetscher braucht!!!

 


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28.05.2020

Foto: pixabay.com
Foto: pixabay.com

 

 

Maskenpflicht und taube Menschen

 

Die großen Überschriften „Maskenpflicht stellt eine unüberwindliche Hürde dar“, "Schutzmasken stellen Gehörlose vor große Probleme" oder "Wie Masken das Leben von Gehörlosen verändern“ schrieb die Saarbrücker Zeitung vom 24. April, 02.  und 25. Mai 2020. Siehe 3 Artikel im Internet unter :

* * * * *

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarlaendische-gehoerlose-sehen-sich-durch-mundschutzpflicht-im-nachteil_aid-50235795

 

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/blickzumnachbarn/schutzmasken-stellen-gehoerlose-vor-grosse-probleme_aid-50345285

 

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/st-wendel/sanktwendel/erfahrungsbericht-so-veraendern-masken-das-leben-von-gehoerlosen_aid-51309951

* * * * * 

 

In letzter Zeit schrieb die Presse überall in Deutschland wahnsinnig viel zu diesem Thema!

 

Ehrlich gesagt: Ich möchte NICHT von den Lippen absehen müssen!!! Nicht nur ich, sondern auch einige andere gehörlose Menschen, die ich gut kenne. Das bedeutet: Nicht ALLE tauben Menschen sind über die Maskenpflicht verzweifelt. Es gibt (immer) 2 Perspektiven:

 

1)    Es gibt hörgeschädigte Leute, die das Mundbild vom Gesprächspartner brauchen, worauf sich die Presse fokussiert. Von mir aus geht das in Ordnung, da jeder gehörlose Mensch anders und individuell ist.

 

2)    Was viele Menschen nicht wissen, ist, wie gut wir vom Mund ablesen können. Nun möchte ich versuchen, darüber ausführlich aufzuklären:

 

Wir werden oft gefragt, ob wir Lippen lesen können, womit gleichzeitig unbewusst gefordert wird, dass die Last der Kommunikation ausschließlich von uns getragen werden soll, ohne zu überlegen, wie man für beide Seiten angenehme Möglichkeiten des Gesprächs finden könnte. Die Leute, die im Grunde über unsere Sprache nicht den vollen Informationsstand haben, setzen ihren eigenen Komfort und ihre Bequemlichkeiten bei der Kommunikation an erste Stelle, ein Ausdruck ihrer Privilegien.

 

Außerdem wurde von der Wissenschaft festgestellt, dass in eurer Sprache (Deutsche Lautsprache) nur 30% der Wörter tatsächlich von den Lippen ablesbar sind. So sind wir gezwungen, mit höchstmöglicher Konzentration den fehlenden Zusammenhang zu ergänzen, obwohl wir unser ganzes Leben lang das Lippenlesen trainiert haben. Das ist sehr hart und sehr belastend. Hinzu kommt erschwerend, dass die Mundbewegungen bei allen Menschen sehr unterschiedlich sind: Mal nicht sauber, mal schnell, mal plattdeutsch usw., deswegen ist das genaue Ablesen nur vom Mund unmöglich. Es ist wirklich sehr selten, dass taube Leute das Lippenlesen auf so einem hohen Niveau beherrschen.

 

Für mich ist die Maskenpflicht also keine große Katastrophe, außerdem gibt sie uns mehr Sicherheit und Schutz. Im Alltag, z.B. beim Einkaufen usw., komme ich mit der Maske wirklich gut klar. Es gab bisher ein paar seltene interessante Alltagssituationen: Leute, die Masken trugen und merkten, dass ich taub bin, verstanden, dass ein Ablesen von den Lippen wegen dieser Maske nicht möglich war und versuchten sofort, umzudenken und sich mehr zu bemühen: Mehr Körpersprache, mehr miteinander Schreiben, usw., was die einwandfreie Kommunikation betrifft. Applaus für die Leuten, die sofort umdenken können, das ist aber nicht selbstverständlich!

 

Wenn jemand mich fragt, wie wäre es mit einer Schutzmaske mit einem Sichtfenster zum Lippenlesen? Ehrlich gesagt: Diese möchte ich nicht sehen bzw. haben, da sie zu doof aussieht. Sorry!

 

Nun möchte ich euch einen Anstoß geben: Zur Kommunikation gehören immer zwei Seiten. Also, kommt schon, ihr könnt es besser, mit uns zu kommunizieren! Kommt uns einfach mit den Händen und Füßen entgegen. Seid nicht so schüchtern und steht nicht erstarrt und sprechend in der Ecke. Das schafft ihr schon! ;-)

 

Über eure Kommentare zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen!

 

Von Peter geschrieben! 

 


Kommentar/e: 2


#2

Name:  Maja

Datum:  28. Juni 2020

Kommentar: Das Thema „Maskenpflicht und taube Menschen“ beschäftigt mich auch seit geraumer Zeit.


Ich finde wichtig, dass gehörlose Menschen ihre Erfahrungen mit der Maskenpflicht mit hörenden Menschen teilen. Hörende denken, dass Lippenlesen eigentlich nach einiger Übung kein Problem darstellt. Das stimmt natürlich nicht, ist aber vielen Menschen nicht bewusst. Gut, dass Du, Peter, Dich um Aufklärung bemühst und dazu in Deinem Blog-Eintrag viel geschrieben hast.

Überrascht haben mich eure positiven Erlebnisse. Ihr scheint öfter auf Menschen getroffen zu sein, die bereit waren, sich um gelungene Kommunikation zu bemühen. Applaus!

Ich will aus meiner Perspektive noch etwas anmerken:
Ich selbst fühle mich durch die Maske in der Kommunikation mit gehörlosen Menschen schon eingeschränkt. Als Hörende, die etwas DGS beherrscht und die Gebärdensprache gerne verwendet, gefällt mir der Gedanke gar nicht, zu Papier und Stift zu greifen. Lieber nehme ich mehr Abstand und kann so auf die Maske verzichten. 😊
( Ich habe mir außerdem ein „face shield“ gekauft, das sieht zwar doof aus, dafür kann man Mimik, Mundbild usw prima sehen.)

 


#1

Name:  Anne Degen

Datum:  09. Juni 2020

Kommentar: Den Ausführungen von Peter stimme ich überwiegend zu. Fast 40 Jahre habe ich ein Hörgerät getragen,das ich nach einem Hörsturz im Juni 2017 abgelegt und seit dem auch nicht mehr getragen habe.
Am Anfang war die neue Situation sehr ungewohnt und auch schwierig für mich. Auch wenn man sich noch so sehr bemüht und sich auf das Mundbild der Gesprächspartner konzentriert,ist es nur ein kleiner Bruchteil des Gesprochenen,das man verstehen kann. Ausgenommen davon ist die Kommunikation mit hörenden Familienangehörigen, deren Mundbild man schon lange kennt. Aber auch in diesen Fällen ist der Prozentsatz dessen,was man vom Mund ablesen kann, nicht sehr hoch.

 

Im Internet habe ich einen Mund/Nasenschutz mit dem Ausdruck "Spreche mit Händen" gesehen und mir diese Schutzmaske bestellt. Die Maske benutzte ich bei einem nächsten Einkauf im Baumarkt. Ich musste einen Verkäufer, der ebenfalls eine Gesichtsmaske trug, wegen eine Frage zu einem Produkt ansprechen. Dabei zeigte ich mit der Hand auf den Aufdruck meiner Schutzmaske. Der Verkäufer,der sehr freundlich war,hat die Situation gleich richtig eingeschätzt und holte Papier und Kugelschreiber. Die Kommunikation hat problemlos funktioniert. Fakt ist,dass man in solchen Fällen sein Gegenüber immer gleich freundlich darauf hinweisen sollte,dass man auf seine Mithilfe bzw. Unterstützung angewiesen ist,damit eine Kommunikation zur Zufriedenheit beider Parteien verläuft.

 


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14.04.2020

Foto: privat
Foto: privat

 

Fahrsicherheitstraining des ADAC – Volle Teilhabe am Training...?

Die Coronakrise hat in letzter Zeit alles auf den Kopf gestellt. Nun erlaubt mir die Zeit, hier endlich einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Mir wurde erzählt, was ein gehörloses Paar im letzten Jahr erlebt hat. 

 

Also, nachdem das Paar sich ein Wohnmobil geleistet hat, wollte die Frau an einem Sonntag an einem Fahrsicherheitstraining in der Nähe von Eifel teilnehmen, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Hut ab! Das ist wirklich ein wichtiger Schritt! Und die Frau hatte vor, einen Dolmetscher für Deutsche Gebärdensprache für dieses ca. 7h-Training zu suchen und unverbindlich anzufragen. Ein grobes Angebot war schnell da und belief sich auf 2040 Euro, in Buchstaben geschrieben: ZWEITAUSENDVIERZIG Euro! Wie bitte! Das hat uns sehr überrascht!! Um es besser überblicken zu können, will ich dies durch eine Berechnung zeigen:

  • Ein/e Dolmetscher*in wohnt sehr weit von diesem Ort des Trainings entfernt und bräuchte mit dem Auto ca. 2 ½ Stunde bis zum Ort, da leider kein Dolmetscher in der Nähe zu finden ist. 
  • Das Honorar des Dolmetschers beträgt für jede Stunde 75 Euro (laut JVEG). Und die Arbeitszeit besteht aus Einsatzzeit und auch Fahrzeit sowie Wartezeit. Bei der Anreise mit einem PKW dürfen 0,30 Euro pro Kilometer angerechnet werden.

  • Also, 5 Std. Fahrzeit (Hin- und Rückfahrt) + 7 Std. Einsatzzeit = 12 Std. Arbeitszeit x 75 Euro/h = 900 Euro plus Fahrkosten (400 km x 0,30 Euro = 120 Euro) ergibt 1020 Euro.

  • Aufgrund der hohen Anstrengung beim Verdolmetschen werden die Dolmetscheinsätze mit einer Einsatzzeit ab 1 Stunde in Doppelbesetzung ausgeführt, also wären 2 Dolmetscher*innen nötig. Das kostet das Doppelte, also 2040 Euro.

  • Manche Dolmetscher verlangen einen Zuschlag für Sonntagsarbeit, in diesem Fall war das nicht so.

Das ist also keine Abzocke und geht total in Ordnung, da die Dolmetscher*innen so ihr Brot verdienen, wie andere Selbstständige auch. 

 

Das Problem ist, dass der ADAC nicht verpflichtet ist, diese Kosten zu übernehmen, da kein Gesetz oder ähnliches vorliegt. Es wäre echt wahnsinnig, wenn die Frau diese Kosten ganz allein tragen müsste, obwohl sie und ihr Mann jahrelanges Mitglied beim ADAC sind. Wer von euch wäre dazu bereit? Wer kann sich sowas leisten? Sicher niemand! Ich auch nicht! Kommt nicht in Frage!

 

Nach langem Überlegen hat die Frau beschlossen, sich doch für dieses Training anzumelden und teilzunehmen, aber ohne Einsatz der Dolmetscher*innen. Ihr Mann ist resthörig und in der Lage, mit den Leuten zu kommunizieren und wollte versuchen, für sie zu übersetzen.

 

Nach der Ankunft beim Fahrsicherheitstraining des ADAC wurde ihr die Teilnahme überraschenderweise verweigert, schon allein, weil die Kommunikation per Funk während des Trainings eine wichtige Rolle spielt. Es gab eine lange Diskussion zwischen den Verantwortlichen und dem Ehepaar. Glücklicherweise wurde ein Auge zugedrückt und die Frau durfte am Training teilnehmen.

 

Wie das ging? Ganz einfach: Sie musste mit ihrem Wohnmobil ganz hinten fahren, zuschauen, was die anderen Teilnehmer machen und dann nachfolgen. Aber was der Leiter des Trainings gesprochen hat, hat das Paar größtenteils nicht verstanden. Es hat aber geklappt, sagte das Paar, die Frau bekam vom ADAC dafür ein Zertifikat. Natürlich hat mich das sehr für sie gefreut. Applaus!

 

Trotzdem macht es mich traurig, dass die Gesellschaft uns behindert, trotz der UN-Behindertenrechtskonvention „Wir dürfen nicht behindert werden!“ und unser größter Teilnahmewunsch bislang oft an den Kosten scheitert.

 

Noch ungerechter ist, dass hörende und gehörlose Teilnehmer die gleiche Teilnahmegebühr zahlen. Die hörenden Teilnehmer erhielten volle Informationen vom Übungsleiter, im Gegensatz zu den Gehörlosen. Was haben wir davon, wenn wir die volle Gebühr zahlen?

 

Ein typischer Satz wie „Es hat ja geklappt“ oder ähnliches kommt in unserer Gehörlosengemeinschaft oft an und zeigt, dass es nur oberflächlich um die Kommunikation geht. 

 

Meiner Meinung nach ist die Kommunikation zwischen den gehörlosen und hörenden Menschen ohne Einsatz des Dolmetschers niemals in vollem Umfang gewährleistet, auch wenn man sich sehr bemüht (zu kommunizieren).

 

Meine Frau Andrea erzählte mir, dass ihr Frauenarzt sich immer freut, wenn sie ihre Dolmetscherin zur Untersuchung mitbringt. Der Arzt gab zu, dass er sich gezwungen sah, Andrea während der Behandlung nur so kurze Informationen wie nötig zu geben, weil er nicht wusste und sich auch nicht sicher war, ob sie alles mitbekommt. Schriftlich verständigen mit ihr würde für ihn zeitlich sehr anstrengend sein. Seit die Dolmetscherin da ist, kann er alles ganz locker sagen, was er sagen muss/will.

Ich stimme ihr voll zu und habe auch selbst schon oft erlebt und gesehen, wie groß der Unterschied mit und ohne Dolmetscher ist. Ziemlich groß!

 

Einerseits gibt es leider ein paar Aussagen von Gehörlosen hier im Saarland, dass es auch ohne Einsatz von Dolmetschern klappt. Nee, um Gottes willen! Voll gesprochene Inhalte werden vom Gegenüber nur zu einem Bruchteil aufgenommen. Ich weiß genau, wovon ich rede. 

 

Andererseits sehe ich schon schwarz, da jede hörende Person so denken könnte: „Wozu braucht eine gehörlose Person ein Dolmetscher, wenn ich weiß, dass es mit der Kommunikation auch ohne Dolmetscher klappt?“, „Wozu? Ja oder Nein ist alles, der Rest ist Nebensache!“ oder „Nicht nötig, da der Dolmetscher zu teuer ist“ usw. Das kann immer häufiger zu Verweigerung und Ablehnung der Kostenübernahme führen.

 

Seit kurzem gibt es das „Teilhabegeld“ als finanzielle Unterstützung für Menschen, die gehörlos sind. Der Betrag kann für den Mehraufwand (Dolmetscher, Hilfsmittelkosten oder weiteren Aufwand), den Gehörlose im Vergleich zu Hörenden haben, eingesetzt werden. Das Geld soll einkommens- und vermögensabhängig sein und muss beantragt werden. Dafür gibt es Beratungsstellen, zu finden im Internet unter www.teilhabeberatung.de.

Irgendwann werde ich diese Webseite besuchen, mich darüber informieren lassen und hier einen Blogeintrag dazu schreiben.

 

Über eure Kommentare zu diesem Thema würde ich mich freuen! 

 

Von Peter geschrieben!


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26.09.2019

Symbolfoto
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Wieder ein unglaublicher Vorfall beim saarländischen Amtsgericht

 

Vor kurzem erzählte mir eine taube Person von folgendem Vorfall. Wegen einer Bußgeldsache musste sie sich vor dem Amtsgericht verantworten. Da sie gehörlos ist, hat das Gericht sie vorab schriftlich informiert, dass eine Gebärdensprachdolmetscherin Frau P. M.-W. zum Gerichtstermin bestellt wurde. Sie hat zurückgeschrieben, dass sie diese Frau als Dolmetscherin ablehnt, weil sie nicht darin ausgebildet und staatlich geprüft ist und nicht in der Lage ist, alle gesprochenen und gebärdeten Inhalte während des Gerichtsverfahrens zu übersetzen. (Über eine ähnliche Situation habe ich schon berichtet, siehe Bericht vom 23. Juni 2017!)

 

Daraufhin bat sie, aufgrund ihres Wahlrechtes gemäß dem saarländischen Behindertengleichstellungsgesetz, zur Maximierung der Übersetzungssicherheit und um die vollständige Übertragung während der Verdolmetschung zu gewährleisten, um eine*n richtige*n Dolmetscher*in. Auf dieses Schreiben hin kam keine Antwort!

(Kurze interessante Anmerkung: Dieses Schreiben wurde trotzdem als Kopie vom Amtsgericht an ihren Rechtsanwalt zur Kenntnisnahme gesendet!)

 

Als die taube Person termingerecht im Raum des Amtsgerichts erschien, war dennoch die Dolmetscherin Frau P. M.-W. anwesend. Als der Richter (sein Name ist mir bekannt) anfing zu reden, wurde es nicht simultan gedolmetscht. Die taube Person fühlte sich kommunikativ stark eingeschränkt, beschwerte sich darüber und forderte, dass die Verhandlung aufgrund der nicht einwandfreien Kommunikation innerhalb des gesamten Gerichtssaales abgebrochen werden solle. Der Richter stellte sich quer und drohte ihr sogar mit einer Ordnungsstrafe von 200 Euro. Wie bitte...? Darf er das überhaupt? Das ist katastrophal und diskriminierend!

 

Daraufhin bat der Rechtsanwalt den Richter intuitiv und spontan, mit seinem Klienten kurz draußen zu sprechen zu dürfen. Gesagt, getan. Als beide zurück in den Raum kamen, wurde die Verhandlung kurz darauf eingestellt. Warum sie so plötzlich eingestellt wurde, weiß die taube Person nicht genau, weil es nicht ganz gedolmetscht wurde. Unglaublich, was der Richter da getan hat! *kopfschüttel*

 

Nun möchte ich hier mal genauer schildern, warum das Amtsgericht immer diese (nicht hochqualifizierte) Dolmetscherin bestellt hat. Diese Frau ist ein Coda (Children of Deaf Adults), das heißt, sie ist mit gehörlosen Eltern aufgewachsen. Außerdem arbeitet sie bei einer staatlichen Einrichtung in Saarbrücken, deswegen kann sie auch für Gerichtsverfahren zum Dolmetschen dienstlich zur Verfügung stehen. 

 

Entgegen der nach wie vor vorherrschenden Meinung, ist es ein großer Irrtum, zu glauben: "Wer gebärden kann, kann automatisch dolmetschen"!

 

Vor 2 Jahren habe ich das Amtsgericht schriftlich gebeten, zu überprüfen, ob diese Dolmetscherin über einen entsprechenden Nachweis verfügt. Leider stellte sich das Gericht quer. Das Gericht nannte den total plausiblen Grund, dass sie vereidigt ist. Was hat diese Vereidigung mit einer entsprechenden Qualifizierung zu tun?

 

Die Bestellung eines externen Dolmetschers für Deutsche Gebärdensprache und Lautsprache kostet eine Menge Geld. Aber laut saarländischem Behindertengleichstellungsgesetz muss der Staat ihn bezahlen, weil Gerichtsverfahren auch für taube Menschen voll und ganz verständlich sein müssen.

 

Ich habe der betroffenen Person empfohlen, sich an die Antidiskriminierungsstelle zu wenden, und ihr angeboten, sie zu dieser Stelle zu begleiten. Ob es etwas bringen wird, weiß ich nicht und hoffe trotzdem, dass sie meine Hilfe annimmt!

 

Von Peter geschrieben!


Kommentar/e: 3


#3

Name:  Mo

Datum:  29. November 2019

Kommentar:  Unglaublich, dagegen muss man sich beschweren und wehren. Auch ich hatte ein ähnliches Vorfall erlebt beim Gericht. Ich wurde eingeladen wegen einem Strafprozess. Ich teilte dem Gericht mit, dass ich (sehr rechtzeitig) einen Gebärdensprachsdolmetscher brauche, wurde vom Gericht bestätigt und sie bestellte  jemanden. Beim Gericht angekommen, stellte ich fest, dass  kein Dolmetscher da war. Der Richter meinte nur, sie hätten versucht jemanden zu erreichen, die Person war nicht erreichbar und eine andere Person konnte nicht. Es gibt aber 5 vereidigte Dolmetscher und später erfuhr ich von einigen, dass sie nicht mal eine Anfrage bekamen. So hatte ich Probleme, den ganzen Prozess zu verfolgen, auch wenn ich beim Staatsanwalt sitzen durfte um besser mitzuverfolgen. Zum Gück betraf der Prozess mich nicht, sonst hätte ich verlangt, dass der Prozess verschoben wird, bis ein Dolmetscher kommt. Damals war ich nicht so selbstbewusst genug und mich gleich zu beschweren.


#2

Name:  R

Datum:  10. Oktober 2019

Kommentar:  Wie das Symbolbild oben, konnte ich über diesen Vorfall nur den Kopf schütteln. Das ist ziemlich ärgerlich. An ihrer Stelle (der tauben Person) hätte ich schon gerne den genauen Grund erfahren, warum die Verhandlung plötzlich eingestellt wurde.

Das Behindertengleichstellungsgesetz dient dazu, dass die Benachteiligten die Rechte nutzen können. Hier im Fall wurden der tauben Person diese Rechte verwehrt.

Mich würde interessieren, wie es in den anderen Bundesländern aussieht. Stellen die Amtsgerichte in den anderen Fällen die staatlich geprüften Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung?


#1

Name:  Maja

Datum:  07. Oktober 2019

Kommentar:  Sicher kann es vorkommen, dass das Gericht Personen als Dolmetscher zulässt, die ungeeignet sind, weil sie keine Ausbildung haben. Das ist sehr schlimm, weil Betroffene dem Geschehen bei der Gerichtsverhandlung nicht richtig folgen können.

Dass sich aber ein solcher Fehler nach 2 Jahren immer noch wiederholt, ist wirklich unglaublich!!!  Der Richter hat offenbar nicht verstanden, worin das Problem liegt!

Dabei hast Du es genau erklärt: Wer gebärden kann, kann nicht automatisch auch dolmetschen!


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30.05.2019

Symbolbild
Symbolbild

 Wievielmal musste ich das Wort „Fahrerflucht“ und „Strafe“ hören...?

 

Vor ein paar Wochen ist mir etwas passiert. Beim Ausparken musste ich besonders vorsichtig zurückfahren, da ein anderes Fahrzeug sehr nah hinter mir stand. Eigentlich durfte es dort nicht parken. Trotzdem ist es mir gelungen, meinen mittelgroßen SUV rauszufahren. Dank des Scheinwerferlichts habe ich zufällig entdeckt, dass ein Kratzer am Kotflügel des nebenstehenden Fahrzeuges zu sehen war. Ich bin nicht sicher, ob ich Schuld war, aber ich bin sofort ausgestiegen und habe bei meinem SUV geschaut, ob auch ein Schaden am Kotflügel vorliegt. Ich habe nichts gefunden, außerdem war es draußen dunkel. Sicherheitshalber habe ich das KFZ-Kennzeichen des nebenstehenden Fahrzeuges notiert. 

 

Während der Heimfahrt habe ich mir gedacht, dass ich meinen SUV bei mir zu Hause nochmal genauer anschauen werde, um sicher zu sein. Ein leichter Kratzer (siehe Foto unten rechts!) wurde doch gefunden. Dann wollte ich auf jeden Fall die Polizei sofort anzurufen. Keine Sekunde gezögert! Dank des Dolmetschservice Tess (https://www.tess-relay-dienste.de) habe ich der Polizei genau geschildert, was passiert war. Trotzdem wurde mir mit einer Strafe gedroht, da ich angeblich eine Fahrerflucht beging. Wievielmal musste ich dieses Wort während des Telefonats hören?

 

Nebenstehendes Fahrzeug
Nebenstehendes Fahrzeug
Mein SUV
Mein SUV

 

Auch wenn ich diesen leichten Unfall bemerken hätte, wäre ich trotzdem heimgefahren und hätte von Hause aus die Polizei angerufen. Ich weiß nicht, ob es die richtige Entscheidung wäre.

 

Einziger Grund dafür ist, dass die Kommunikation mit der Polizei per Dolmetschservice in eine gute Internetverbindung benötigt. Für Videotelefonie braucht man eine schnelle und stabile Verbindung. Ob das auch am Unfallort möglich wäre, da bin ich mir nicht sicher. Außerdem weiß ich nicht, ob der Funkempfang am Unfallort gut genug ist und auch ob mein Datenvolumen ausreicht. Dieser Service am Handy benötigt viel Datenvolumen für eine direkte und einwandfreie Kommunikation.

 

Eine 3. Person (die zum Beispiel in der Nähe wäre und bereit wäre, einen Polizeianruf zu machen.) kann man auch nehmen, aber wer haftet, wenn die Aussage dieser 3. Person falsch ist, weil ich diese Aussage nicht hören bzw. kontrollieren kann. 

 

Die Gebärdensprachdolmetscher von Dolmetschservices arbeiten sehr professional und versuchen immer den vollen Inhalten an den Gesprächspartner zu übertragen und auch umgekehrt.

 

Zurück zu dieser Geschichte: Laut Polizei müsste ich sofort zur Polizeidienststelle in die 15min entfernte Stadt. Vorher wurde ich gefragt, wie es mit der Kommunikation aussieht und ob ich einen Dolmetscher mitbringen könnte. Ich erklärte, dass die Polizei nun über den Unfall Bescheid weiß und wir den Rest per Zettel und Stift klären können, da es unmöglich ist kurzfristig einen Dolmetscher zu finden. Gesagt und getan! Sie haben meine Personalien aufgenommen, dann habe ich mit 3 Polizisten, die extra mit dem eigenen Polizeibus, zum Unfallort gefahren sind, mich über den Unfall unterhalten. Fragt mich bitte nicht, warum 3 Polizisten!

 

Glückerweise stand das von mir am Kotflügel leicht beschädigten Fremdfahrzeug immer noch da. Dieser Unfall wurde kurz aufgenommen und einer von dreien hat sich bemüht, mich per Notizenbuch und Stift zu kommunizieren. Dann wurde ein „Unfall mit Fahrerflucht“ auf „nur ein Unfall“ abgewertet. Und ich musste die Schadensmeldung bei meiner Versicherung machen. Ehrlich gesagt: Alle 3 Polizisten waren wirklich nett zu mir, im Gegensatz zum Telefonieren mit der Polizei. Während dieses Telefonierens vermisse ich eine grundsätzliche Sensibilisierung und einen Umgang mit den Gehörlosen.

 

Bei einer Fahrerflucht müssen Alkohol oder Drogen im Spiel sein oder die Person hat keinen Führerschein oder? An diesem Tag trank ich nur Tee und ich besitze einen gültigen Führerschein.

 

Ich habe überlegt, was ich in Zukunft in ähnlichen Situationen machen soll. Ab jetzt werde ich gleich und direkt zur Polizeidienststelle gehen und der Polizei kurz und knapp sagen, dass ich einen Unfall gebaut habe und nach einen hochqualifizierten Gebärdensprachdolmetscher verlangen. Ich nehme keinen selbsternannten Dolmetscher (ohne Ausbildung) oder jemanden der gebärden kann für die Kommunikation an. (Warum das nicht? Seht ihr bitte ein paar Blogs untenstehend!).

 

Der hochqualifizierte Gebärdensprachdolmetscher ist keine 3. Person, bleibt objektiv und ermöglicht uns eine direkte und einwandfreie Kommunikation. Das ist unser Recht.

 

Noch was: Viele wissen nicht, dass der hör- oder sprachbehinderte Mensch nicht darauf verwiesen werden darf, sich schriftlich zu äußern. Seht ihr bitte den Link im Internet: https://www.haufe.de/sozialwesen/sgb-office-professional/gebaerdensprachdolmetscher-kostenuebernahme_idesk_PI434_HI1938675.html

 

Ich bin mal gespannt, was da kommen wird, weil die Bestellung dieses Dolmetschers sehr aufwändig ist. Es kostet ja eine Menge Geld und wer trägt diese Kosten.

 

Es wäre toll, wenn ein oder zwei Polizisten in jeder Stadt regelmäßig gebärden lernen könnten. Das wäre ja eine volle Inklusion!

 

Geschrieben von Peter


Kommentar/e: 1


#1

Name:  Freddi

Datum:  03. Juni 2019

Kommentar:  Das klingt nach einer schwierigen Geschichte, die eigentlich keine sein sollte.

Tatsächlich ist es auch dann Fahrerflucht, wenn kein Einfluss von Drogen, Alkohol usw. vorliegt. Wenn du dich unerlaubter Weise von dem Unfallort entfernst, den du verursacht hast, dann ist das Unfallflucht (oder Fahrerflucht).

Allerdings (!) dient das Gesetz eigentlich nur dazu, jemanden zu bestrafen, wenn er versucht zu verhindern, dass er als Schuldiger identifiziert wird. Du hast aber das Nummernschild notiert und dich freiwillig bei der Polizei gemeldet (und hattest sogar einen wichtigen Grund dafür - Die Kommunikationsbarriere vor Ort).

 

Ich sehe also nicht, wie du die Situation besser lösen solltest...

Du hast recht, wenn nur ein paar Polizisten gebärden könnten, wäre es viel leichter. Dann könntest du einfach direkt die Polizei zum Unfallort rufen, und die schicken einen Kollegen der gebärden kann. Fertig.

Achja und Zusatzkosten, die dir dadurch entstehen sind einfach nur eine Frechheit.

 

Liebe Grüße

Freddi


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18.02.2019

Symbolfoto
Symbolfoto

Was ist denn passiert, wenn die Gebärdensprachdolmetscher ...

 

Ich muss hier offen schreiben, was ich beim Neujahrsempfang eines Landesverbandes mit meinen eigenen Augen gesehen habe. Da einige wichtige eingeladene Gäste eine Begrüßungsrede (natürlich in Lautsprache, da sie hörend sind und nicht gebärden können) halten wollten, standen zwei von diesem Verband bestellte Gebärdensprachdolmetscherinnen zur Verfügung. 

 

Wie qualifiziert beide sind, ist mir bekannt. Während jemand redete und die Rede gedolmetscht wurde, saß ich neben zwei Gehörlosen und fragte sie, ob sie die gebärdeten Inhalte verstanden hätten. Sie gaben zu, die Dolmetscherinnen schwer bis nicht ganz zu verstehen. 

 

Ich habe auch die gleiche Meinung wie die beiden und kann überhaupt nicht verstehen, warum der Verband diese Dolmetscher bestellt hat, obwohl es 2-3 staatlich geprüfte DolmetscherInnen für Deutsche Gebärdensprache im Saarland gibt. Und ich frage mich auch, warum diese bestellten Dolmetscher diesen Dolmetschauftrag angenommen haben, obwohl sie nicht in der Lage sind, professionell übersetzen zu können. Trotzdem gab es keine Beschwerden von Gehörlosen. Ich fand es sehr schade. Wirklich traurig! Das ist halt so!

 

Da dachte ich: Nein, es ist nicht einfach so! Ich muss mir noch überlegen, wie man dagegen vorgehen kann. Vielleicht habe ich eine Idee: ich werde mich ab jetzt bei den nicht qualifizierten oder selbsternannten Gebärdensprachdolmetschern während der Verdolmetschung melden und sagen, dass ich die gebärdeten Inhalte nicht ganz bzw. schwer verstehe und um eine Wiederholung dieser Inhalte bitten. 

 

Um die Unterstützung der gebärdensprachorientierten Gehörlosen würde ich mich sehr freuen. Die DolmetscherInnen wissen genau, was wir möchten. Lasst uns bitte nicht unterwürfig sein! 

 

Geschrieben von Peter


Kommentar/e: 1


#1

Name:  Sigrid Meiser-Helfrich

Datum:  03. März 2019

Kommentar:  Eigentlich kann man hier nicht viel dazu schreiben .... da kann ich nur den Kopf schütteln und denken: "mal wieder typisch" ... leider! Es erinnert mich an die Situationen, wenn man in einer Podiumsdiskussion ist oder zum Thema Menschen mit Behinderung zum Meinungsaustausch eingeladen ist - z. B. beim Saarländischen Rundfunk. Es ist schon mehrfach vorgekommen, dass ich eine Frage gestellt habe, die von sogenannten DolmetscherInnen in Lautsprache übersetzt wurde. Die Antwort auf meine Frage war dann falsch - vollkommen an meiner Frage vorbei. Was man nur so verstehen kann, dass meine in Deutscher Gebärdensprache gestellte Frage von den DolmetscherInnen falsch aufgenommen und also falsch übersetzt wurde. Ich habe dann drauf aufmerksam gemacht, mit einigem Hin und Her kam dann die richtige Antwort. Klar, es kann immer mal Missverständnisse geben, aber wenn es öfters vorkommt, dann fragt man sich doch, welche Qualifikation diese DolmetscherInnen eigentlich haben. Wer ist hier eigentlich der König - sie ... oder wir die Kunden, also die Menschen mit Hörbehinderung und diejenigen, die die DolmetscherInnen angefordert haben? Wenn etwas nicht klappt, dann sollten wir das auch sagen. Nur so können wir unsere Situation verbessern. Und nur so können auch die KommunikationsassistentInnen und DolmetscherInnen dazulernen und ihre Qualifikation verbessern. Wir haben einen Rechtsanspruch darauf. Und: Hörende haben nicht immer recht, wir dürfen uns wehren, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Andererseits: es gibt auch gute qualifizierte DolmetscherInnen für Deutsche Gebärdensprache, die ihren Beruf ernst nehmen, die sollten wir loben und bevorzugt buchen, um an der Situation etwas zu verbessren.


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02.11.2018

Symbolfoto
Symbolfoto

Umgang mit gehörlosen Menschen bei einem Treffen oder einer Party/Feier

 

Zunächst möchte ich eine Erzählung einer gehörlosen Bekannten namens Yvi, die in der Rolle der Mutter vor kurzem einen Kommentar in Facebook geschrieben hat, hier einfügen. Natürlich mit ihrem Einverständnis für die Veröffentlichung. Lest bitte den Text ganz unten! Yvi hat vollkommen recht, mit dem was sie geschrieben hat. Das ist leider so. Ich würde sagen, dass das Ganze nur aus Gewohnheit der hörenden Gesellschaft geschieht.

 

Nun möchte ich über meine eigenen Erfahrungen schreiben. Also, wir sind oft zu Feiern bei unserer hörenden Verwandtschaft eingeladen, obwohl ich ehrlich gesagt, diese Einladungen am liebsten niemals annehmen würde, weil es mir oft zu langweilig ist. Fast keiner ist bereit mit mir zu kommunizieren, nur weil ich selbst Schwierigkeiten mit dem Sprechen und auch mit dem Mundablesen habe. Andrea (meine Frau) hat etwas weniger Probleme damit, da sie nach dem Spracherwerb ertaubt ist. Ab und zu ist unser volljähriger Sohn bereit, die Unterhaltung für uns zu übersetzen. Aber auf Dauer macht er das nicht mit, da er kein Dolmetscher ist. Meiner Familie zuliebe komme ich zu diesen Feiern oft mit und bin nur für das „Essen" da. Das ist halt so!

 

Im letzten Jahr wollte ein junger, hörender Mann, der meinen Gebärdensprachkurs besucht hat, uns auf einmal zu seiner Geburtstagsparty bei sich zu Hause einladen. Andrea war an diesem Tag leider verhindert. Trotzdem hat er darauf bestanden, dass ich komme und hat versprochen, mich nicht im Stich zu lassen. Seine Cousine, die auch die Gebärdensprache bei mir gelernt hat, war auch dabei. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass es mir dort zum ersten Mal in meinem Leben NICHT langweilig war. Er und seine Cousine haben sich bemüht, mich abwechselnd zu unterhalten und auch die Kommunikation mit den hörenden Gästen zu unterstützen. Wow, das war einmalig! Es hat nur funktioniert, weil beide gebärden können. Nochmals vielen Dank, junger Mann!

 

Inzwischen hat uns noch eine Frau, die sich jahrelang mit unserer Sprache beschäftigt hat, zu ihrer Geburtstagsfeier eingeladen und hat uns dasselbe wie der junge Mann versprochen. Ja, sie hat ihr Versprechen gehalten: Sie hat sich viel Zeit für uns genommen und sich mit uns unterhalten, außerdem hat sie noch jemanden, der gebärden kann, eingeladen. Wir haben uns gefühlt, als wären wir nicht nur gekommen, um zu Essen. Wir haben uns wirklich sehr darüber gefreut. Danke, danke! ;-)

 

Also, ich habe eine große Bitte an euch, wenn ihr mal Gehörlose einladen möchtet, vergesst sie bitte nicht! Es gibt nur 2 Möglichkeiten für eine bessere, beziehungsweise einwandfreie Kommunikation:

 

1) Gebärdensprachdolmetscher bestellen und die Kosten auf alle Anwesenden aufzuteilen. Es lohnt sich nur, wenn viele Personen eingeladen sind und mit der Kostenbeteiligung einverstanden sind, da die Kosten oft sehr hoch sind.

 

2) Einen Gebärdensprachkurs besuchen und sich immer mit unserer Sprache beschäftigen. Um diese Sprache zu beherrschen, braucht man einen langen Atem und unzählige Kursstunden…

 

Wenn eines von beiden nicht erfüllt ist, wäre es schön, wenn die eingeladene Person jemanden mitbringen dürfte, damit sie nicht allein und ihr nicht gelangweilt seid.

 

Noch eine kleine Bitte an gehörlose Eltern mit hörenden Kindern: Bitte lasst eure minderjährigen Kinder nicht „arbeiten"! Die „Dolmetscharbeit" ist wirklich sehr anstrengend, auch wenn die Kinder das gern und freiwillig machen. Glaubt mir bitte! Danke!

 

Geschrieben von Peter

 

*****************************************************************

 

Yvi schrieb im Facebook: 

 

Ich würde vor kurzem von einem hörende Mutter gefragt ob ich mal vorbeikommen kann zum Kaffee trinken. Habe ich getan. Was ich nicht wusste, es waren noch andere 6 Muttis da. Alle mit Babys. Gut... eine Tasse Tee trinken schaffe ich locker. 5 Minuten mit mir zu unterhalten klappt gut. Danach „vergessen“ sie es und unterhält sich mit andere Müttern. Ich versuche mich mit den Lippenlesen zu konzentrieren. Nach 10 Minuten habe ich den Überblick verloren. Ich sitze nur dumm da und warte brav ab um nicht unhöflich zu sein. Nach fast 1 std stehe ich auf und sage dass ich jetzt gehen möchte. Alle:“oh jetzt schon? bleib noch ein bisschen“. Wozu? Ich verstehe eh nix. Ist nicht böse gemeint. 

Mir ist viel lieber wenn ich allein mit eine Person um mich habe. Da kann man viel besser kommunizieren und lange und man kann sich nicht von mir abwenden. In der Gruppe klappt das nicht. Da wird gerne schnell „vergessen“ und ich dann nichts mehr mit bekomme. Immer nachfragen über was geredet wird, mag ich nicht. 

Warum bist du so? Bist du gerne einsam? Warum redest du nicht mit uns? Warum sitzt du nicht bei uns? Das sind IMMER dieselbe Fragen. Jedesmal muss ich erklären, warum ich mich so verhalte. 

Ehrlich, ich würde gerne, egal wo, beim kaffeeklatsch, auf dem Spielplatz, beim Eiscafé, im Kindercafe etc. Hinsetzen, zuhören und mitreden. Das klappt aufgrund meine Gehörlosigkeit nicht. Nur sitzen und von 100% was gesagt wurde kriege ich nur 10% mit und stumm sitzen ist mir zu blöd. 

Ein paar Mal habe ich erklärt. Trotzdem verstehen sie nicht ganz was ich meine... puhhh...


Kommentar/e: 1


#1

Name:  Sigrid Meiser-Helfrich

Datum:  19. November 2018

Kommentar:  Ich bin spät ertaubt (nach dem Spracherwerb) und rede eigentlich "normal" - oft auch saarländischen Dialekt. Ich bin ganz einfach damit aufgewachsen. Nur: es geht nur in eine Richtung ... die Antworten auf meine Worte oder Sätze verstehe ich nur im persönlichen Gespräch gut sobald mehr als zwei Personen am Gespräch beteiligt sind, bin ich "weg vom Fenster", sogar innerhalb meiner eigenen Familie, obwohl ich meine Mutter und meine Schwestern als Einzelpersonen prima verstehe, im Gesprächskreis klappt es nicht. Deshalb: auch für mich sind Familienfeiern anstrengend, langweilig, unerfreulich. Früher im Elternhaus konnte ich aufstehen: lesen, stricken, das Kaffeegeschirr spülen - und die anderen haben gefeiert. Aber bei Einladungen: brav sitzen, lächeln, und hoffen dass es nicht zu lange dauert. "Wie gehts?" "Gut!" - das höchste der Gefühle bei Unterhaltungen in der Verwandtschaft. Ich frage: was hat die oder der gesagt?" "Moment, gleich!" oder "Oooch, das ist nicht wichtig, nur blabla ..." Ich weiß genau, die liebe Familie meint es gut und macht es nicht mit Absicht, die liebe Verwandtschaft ist hilflos oder gedankenlos, die hörenden Freunde lieben mich, aber sind überfordert. Traurig ... aber es fehlt ganz einfach das Verständnis für die Mentalität. Das gleiche früher unter Kollegen:  Bitte, du musst unbedingt mitkommen, wenn wir einen trinken gehen ... " und dann ... geh ich doch als erster ... ist nicht böse gemeint, wie Peter schreibt, aber Unterhaltung im Gesprächskreis mit Hörenden ist einfach nicht möglich ohne Gebärdensprache! Eine tolle Erfahrung haben wir mit unserer Theatergruppe inklusiv+exclusiv gemacht: Hörende und Gehörlose, Unterhaltung, Befehle, Regie ... und lachen ... alles in Gebärdensprache! Jeder hat verstanden, jeder konnte sich einbringen und jeder konnte "seinen Senf dazugeben!" Wunderbar! Wenn das in Familie, Verwandtschaft, unter Kollegen und anderen hörenden Freunden klappen würde - Inklusion ganz einfach! Warum klappts eigentlich nicht???


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27.09.2018

Gebärde "Barriere" - Foto: privat
Gebärde "Barriere" - Foto: privat

Wirksame Alltagsverbesserungen...aha, wie bitte?

 

Am 22. August 2018 wurde ein Bericht aus der Saarbrücker Zeitung (Lokales Dudweiler) veröffentlicht, in dem unsere Ministerin Frau Bachmann betonte, dass es seit 2003 wichtige Alltagsverbesserungen für Hörbehinderte gibt.

Dieser Bericht ist im Internet unter https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/dudweiler/ein-leben-im-einsatz-fuer-gehoerlose_aid-30132801 zu lesen. Ich persönlich frage mich, wie es eigentlich sein kann, dass diese Frau das behaupten konnte. Was hat sie mit diesen Verbesserungen gemeint? Eigentlich müssten wir in unserem Alltag Verbesserungen spüren können.

 

Laut der aktuellen Dolmetscherliste (Stand: August 2018) von der Dolmetscherzentrale in Saarbrücken steht nur eine staatlich geprüfte Dolmetscherin für Deutsche Gebärdensprache im Saarland zur Verfügung, womit das Verhältnis ungefähr eins zu (von mir geschätzt) 500 gehörlosen Menschen, die gebärden, ist. Im Vergleich zu anderen Bundesländern bilden wir damit das Schlusslicht.

 

Außerdem gibt es seit langem einige praktizierende DolmetscherInnen, die sich noch in Ausbildung befinden. Dies ist, als würde ein Arzt, der mit seiner Ausbildung noch nicht fertig ist, seinen Beruf bereits in einer Arztpraxis ausüben, oder? So geht es nicht. Es gab leider ein paar Beschwerden, die oft nicht ernst genommen werden.

 

Und der Integrationsfachdienst für hörbehinderten Menschen überlässt uns kaum die Auswahl der DolmetscherInnen für Schulungen, Betriebsversammlungen, innerbetriebliche Gespräche usw. Es wurde mir geschrieben, dass sich ein/e bestellte/r DolmetscherIn aus Kostengründen nicht weit entfernt vom Auftragsort befinden soll. Von mir aus ist das ok, aber was ist mit der inhaltlichen Qualität der Übersetzungsleistung, die für diesen Fachdienst überhaupt nicht von Interesse ist? Im Laufe der Zeit gab es eine Handvoll Beschwerden. Ich vermisse die allgemeine Anlaufstelle, die alle Beschwerden bearbeitet bzw. an die zuständigen Stellen weiterleitet.

 

Auch bei Behördengängen und Arztbesuchen gab es oft Schwierigkeiten, da man kurzfristig fast kein/e DolmetscherIn bekommt, weil sie längst besetzt bzw. vergeben sind. Man müsste sogar Wochen und Monate im Voraus einplanen, wann und wo man eine/n DolmetscherIn bekommen kann. Was wäre, wenn man plötzlich krank wird und zum Arzt gehen muss? Ein/e DolmetscherIn kurzfristig bestellen? Dazu besteht kaum bis gar keine Chance, dann hat man einfach nur Pech!

 

Im beruflichen Bereich gab es für gehörlose Menschen oft Probleme. Ein Beispiel für einen solchen Problemfall ist, dass ein Antrag von einem Gehörlosen auf Dolmetschleistungen durch ein persönliches Budget vom Landesamt immer aus irgendeinem Grund abgelehnt wurde. Man sagte ihm zum Beispiel, dass er und seine Kollegen miteinander per E-Mail kommunizieren könnten. Das ist aber keine persönliche Direktkommunikation! Ich vermisse die Unterstützung von diesem Amt durch fachgerechte Beratungen usw.

 

Wie sieht es mit der sozialen und privaten Teilhabe bei uns aus? Kultur-, Freizeit- und einige andere Veranstaltungen sind häufig nicht sprachlich barrierefrei. Wenn wir unbedingt hingehen wollen, dann müssen wir die DolmetscherInnen selbst organisieren und die Kosten weiterhin selbst tragen, ebenso, wenn wir neben diesen Veranstaltungen auch Vorträge, Kurse, Seminare, Beratungen, Geschäftsbesuchen, Konzerte, usw., die privat und auch öffentlich sind, besuchen wollen. Es ist sehr, sehr selten, dass ein/e DolmetscherIn vom Veranstalter bzw. Organisator, der die Kosten auch übernimmt, zur Verfügung steht. Für uns entsteht ein enormer organisatorischer und auch finanzieller Aufwand. Daher müssen wir oft auf Freizeitaktivitäten dieser Art verzichten und vermeintlich dumm zuhause sitzen.

 

Für gehörlose Eltern eines hörenden Schulkinds/hörender -kinder ist es überhaupt nicht einfach. Nur noch einige wenige Schule im Saarland ist bereit, die Dolmetscherkosten für das Elterngespräch mit den Lehrern, den Elternabend usw. zu übernehmen.

 

Wo bleibt unser barrierefreier Zugang? Viele wissen nicht, was dieser Zugang für uns bedeutet. Es gibt wirklich noch mehr zu schreiben über Bereiche, die mit Barrierefreiheit zu tun haben. Bei diesem Begriff denken die Nichtbetroffene meist an Rollstuhlfahrer und blinde Menschen.

 

In letzter Zeit ist das Wort „Inklusion“ in aller Munde. Aber viele wissen nicht, welche Voraussetzung für Inklusion erfüllt sein müssen. Eine wichtige Voraussetzung sind Dolmetscher für deutsche Gebärdensprache oder hörende Menschen, die „fließend“ gebärden können.

 

Wie bereits gesagt, Dolmetscher bewilligt zu bekommen ist oft ein Kampf – trotz Rechtsanspruch durch die UN-Behindertenrechtskonvention. Außerdem braucht man einen langen Atem und ein dickes Fell.

 

Noch etwas: Seit kurzem gibt es im ganzen Saarland sechs Beratungsangebote der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB, www.teilhabeberatung.de), jedoch ist es zurzeit nicht möglich, eine Beratung in Deutscher Gebärdensprache (DGS) anzubieten. Hallo, Hallo...? Vergesst uns verdammt mal nicht, wir sind auch da und haben ein Recht darauf, daran teilzunehmen! Andere Bundesländer sind uns in diesem Punkt einen Schritt voraus, dort wurden sogar einige gehörlose FachberaterInnen extra eingestellt.

 

Ehrlich gesagt: Ich vermisse die Unterstützung der saarländischen Regierung sehr und auch eine gezielte Lobbyarbeit des Landesverbandes der Gehörlosen. Naja, der Vorstand dieses Verbandes arbeitet nur noch ehrenamtlich und kann nicht alles stemmen, da er keine Unterstützungen von außen bekommt (wenn ich mich nicht irre).

 

Das einzig Positive ist, dass die saarländische 19:20-Uhr-Nachrichtensendung „Aktueller Bericht“ ENDLICH immer untertitelt wird. Unser sehr lang ersehnter Wunsch wurde verwirklicht. Das war für uns ein wichtiger Meilenstein, ansonsten nichts.

 

Trotzdem bin ich noch am Überlegen, ob ich versuchen soll, mich weiter mit diesem Bericht auseinander zu setzen und eine freiwillige und anonyme Online-Umfrage für gehörlose Menschen im Saarland zu erstellen. Dann können wir sehen, wie gut wir Gehörlosen wirklich an der „hörenden“ Gesellschaft im Saarland teilnehmen können.

 

Schaut bitte NICHT weg! Wir wollen nicht ständig daran erinnert werden, dass wir oft mit den üblichen und unsichtbaren Alltagsbarrieren im täglichen Leben zu kämpfen haben. 

 

Liebe gehörlosen LeserInnen, was habt ihr dabei gedacht? Auf eure Kommentare würde ich mich freuen! Die restlichen LeserInnen sind auch herzlich willkommen!

 

Geschrieben von Peter


Kommentar/e: 4


#4

Name:  Sigrid Meiser-Helfrich

Datum:  03. März 2019

Kommentar:  zum Thema "Alltagsverbesserungen" noch eine ganz kurze Notiz:

am 23. Februar 2019 war ein Vortrag zum Thema "Soziale Isolation gehörloser Senioren" mit einem gehörlosen Referenten aus Bayern im Bildungs- und Freizeitzentrum für Gehörlose im Saarland in Saarbrücken-Jägersfreude.

Sehr interessanter Vortrag mit vielen Beispielen, was außerhalb vom Saarland möglich ist ... am meisten überrascht hat den Referenten dann aber die Tatsache, dass es im Saarland keine einige Beratungsstelle oder soziale Anlaufstelle speziell für Menschen mit Hörbehinderung gibt. Damit haben wir mal wieder ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland, sogar die "armen" neuen Bundesländer sind hier viel besser versorgt. Noch Fragen ...?

Saarland Inklusiv ... so ein schöner Slogan, aber was ist er wert?


#3

Name:  Peter Schaar

Datum:  18. Februar 2019

Kommentar:  Ich möchte auch meinen Senf dazu geben. Beim Neujahrsempfang des Landesverbandes der Gehörlosen Saarland e.V. habe ich Frau Hepperle, die für den saarländischen Rundfunk arbeitet und für den Einsatz der beiden Gebärdensprachdolmetscherinnen am Weihnachtskonzert (siehe ein Kommentar  #2 von Sigrid Meiser-Helfrich untenstehend!) verantwortlich ist, getroffen und ihr mithilfe einer Gebärdensprachdolmetscherin freundlich gesagt, dass ich es nicht ok fand, dass sie einen Ersatz für den Ausfall beider „MusikdolmetscherInnen“ nicht gesorgt hat. 

 

Sie versprach aber, dass beide Dolmetscherinnen beim nächsten Konzert wieder dabei sein werden, nur weil beide diesmal einfach einmal Pause brauchen. Natürlich hatte ich volles Verständnis dafür, dass beide sich ein bisschen zurücklehnen und warten, bis sie von sich aus wieder Musik übersetzen möchten. Kein Problem, aber....

 

...ich wollte aber nicht, dass wir von beiden abhängig sind und von diesem Konzert ausgeschlossen werden müssen. Unsere Teilnahme an Veranstaltungen ist ein wichtiger Faktor auf dem Weg zur Inklusion und bedeutet für uns Unabhängigkeit. 

 

Trotzdem nahm Frau Hepperle mich nicht ernst und sagte, dass beide Dolmetscherinnen eine „Kunst“ seien. Sie meinte, dass beide als einzige die Musik toll übersetzen können, und tat so, als ob ich keine Ahnung von dieser „Kunst“ hätte. Eigentlich kenne ich die Gehörlosenkultur besser, oder? Und ich habe nur kurz darauf angemerkt, dass wir einige Dolmis, die Musik gut übersetzen könnten, kennen und bei der Suche mithelfen könnten. Es hängt natürlich auch von den Kosten ab usw. Sie wollte aber die beiden behalten. Leider wurde das Gespräch mit ihr abgebrochen, da die Gebärdensprachdolmetscherin vom Vorstand des Landesverbandes für ein anderes wichtiges Gespräch unbedingt gebraucht wurde. 

 

Ok, hier also eine kurze Zusammenfassung:

Seit Jahren wird dieses Konzert veranstaltet und es wird immer mit Gebärdensprache angeboten, und die Deafies sind gekommen und konnten die Musik dank „Musikdolmetscherinnen“ begeistert folgen. Deswegen hätten wir aus diesem primitiven Grund nicht auf einmal ausgeschlossen werden sollen. 

 

Was würdet ihr tun, wenn ihr unbedingt zu diesem Konzert geht und eure Kinder, Eltern oder engen Bekannten, die gehörlos sind und auch hingehen wollen, nicht mitkommen könnten, weil sich diese Dolmis ein bisschen zurücklehnen wollen und der Verantwortliche sich um einen Ersatz nicht bemüht hat? Würdet ihr damit sagen, dass ihr dahin geht und wir (dumm) zu Hause herumsitzen sollen, oder? 

 

Klartext: Eine Inklusion bedeutet, dass auch die Gehörlosen die Möglichkeit haben sollen, alle Veranstaltungen mit Gebärdensprache zu besuchen, ohne in die Abhängigkeit von Anderen zu geraten. Es muss leider festgestellt werden, dass die Inklusion, die nichts oder wenig kostet, nicht zu machen ist. Einfach Pech für den „unschuldigen“ gehörlosen Menschen, die nichts dafür können!

 

Der Artikel 3 sagt: Alle Menschen sind vor dem Grundgesetz gleich. Das bedeutet: Alle Menschen haben die gleichen Rechte. Die Menschen mit Behinderung dürfen nicht benachteiligt werden. Trotzdem werden wir in sehr vielen Fällen von euch behindert.

Hallo, wir beißen euch nicht und wollen nur teilhaben, nicht mehr und nicht weniger!

 

An Frau Hepperle erinnerte ich mich noch was: Vor ein paar Jahren gab es eine Sitzung beim saarländischen Rundfunk. Sie gab eine freundliche Nachricht für Hörgeschädigte bekannt, dass die Nachrichtensendung am Samstagvormittag erstmal mit Untertitel gesendet wird. Von unserer Seite aus waren wir mit dieser Bekanntgabe nicht einverstanden, weil die „normalen“ Fernsehzuschauer jeden Tag um 19.20 Uhr einen aktuellen Bericht im SR-Fernsehen folgen. Wir Deppen schauen nur am Samstagvormittag eine Zusammenfassung, weil es dort mit Untertitel vorgesehen ist, und blicken bei den aktuellen SR-Nachrichten (ohne Untertitel) unter der Woche ins Leere. 

 

Das war echt sehr diskriminierend, weil wir ein großes Informationsdefizit darüber hatten. Frau Hepperle nahm uns nicht ernst und es blieb bei dieser Entscheidung. Jedoch kam ca. 5 Monate später diese 19:20-Uhr-Sendung mit Untertitel endlich im Angebot. Wie es dazu kam, wissen wir bis jetzt nicht. Höchst wahrscheinlich kam der Befehl dazu von ganz oben.

 

Es wäre gut, wenn Frau Hepperle ihre Ohren zwei Wochen lang schließen würde und in unserer Welt lebt. Ich wette, dass sie nicht überleben würde.


#2

Name:  Sigrid Meiser-Helfrich

Datum:  20. November 2018

Kommentar:  noch eine Anmerkung zum Thema "wirksame Verbesserung bzw. Situation DolmetscherInnen für Deutsche Gebärdensprache im Saarland":

Seit ca. 3 Jahren kann eine begrenzte Zahl von Gehörlosen am Weihnachtskonzert des Saarländischen Rundfunks teilnehmen, weil das Konzert von DolmetscherInnen für Deutsche Gebärdensprache begleitet wurde. Eine tolle Initiative des Saarländischeen Rundfunks! Nur: in diesem Jahr 2018 machen die beiden DolmetscherInnen für Deutsche Gebärdensprache, die das Weihnachtskonzert begleitet haben, Pause. Heißt: Weihnachtskonzert ohne Gebärdensprache, eine schöne kulturelle Veranstaltung fällt für uns Menschen mit Hörbehinderung einfach aus, obwohl sie stattfindet, einfach wegen dem Kommunikationsproblem. Konnten keine anderen DolmetscherInnen für Deutsche Gebärdensprache angefragt und eingesetzt werden??? Wenn ein Musiker ausfällt, wird auch für Ersatz gesorgt, oder?

Sorry, aber sowas ist typisch ... im Saarland inklusiv


#1

Name:  Sigrid Meiser-Helfrich

Datum:  19. November 2018

Kommentar:  Den Bericht in der Saarbrücker Zeitung - Ausgabe Dudweiler vom 22. August 2018 - habe ich auch gelesen.

Dass es seit 2003 wirksame Verbesserungen für Gehörlose im Saarland gibt, kann ich so nicht nachvollziehen. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, ist die Versorgung mit DolmetscherInnen für Deutsche Gebärdensprache im Saarland nach wie vor prekär. Auf der Liste der LAG - Landesarbeitsgemeinschaft Gebärdensprachdolmetscher - gibt es bisher nur eine Dolmetscherin für Deutsche Gebärdensprache, die ihre Ausbildung abgeschlossen hat. Andere GebärdensprachdolmetscherInnen sind noch in der Ausbildung oder arbeiten ohne Ausbildung, sie sind streng genommen gar keine DolmetscherInnen für Deutsche Gebärdensprache, sondern Kommunikationsassistentinnen. Überdies sind fast alle von ihnen noch hauptberuflich in einem anderen Beruf tätig, stehen also nicht regelmäßig zur Verfügung. Es ist schwierig,  für die verschiedenen Einsätze eine Gebärdensprachdolmetscherin zu bekommen, oft müssen Termine abgesagt werden weil keine DolmetscherIn zur Verfügung steht.  Darüber hinaus haben wir im Saarland die sehr prekäre Situation zum Dolmetscheinsatz für gehörlose Eltern beim Elternabend in der Schule ihrer hörenden Kinder. An weiterführenden Schulen im Saarland wird der Einsatz bzw. die Kostenübernahme dafür nahezu komplett abgelehnt mit der Begründung, Elternabende an weiterführenden Schulen wären keine Pflicht und deshalb besteht von Seiten der Schulträger keine Verpflichtung zur Kostenübernahme. Dies ist milde gesagt eine Sauerei, denn die Eltern wollen den Erziehungsauftrag für ihre Kinder ernst nehmen und die bestmögliche Versorgung und Förderung für ihre Kinder und dazu gehört, dass sie von den Schulen gleichberechtigt alle Informationen bekommen, die dazu nötig sind.

Verbesserungen ... da gibts noch das Problem Gebärdensprachdolmetscherinnen bei Gericht. Bei einer Gerichtsverhandlung wurde eine Dame als Dolmetscherin eingesetzt, die über keinerlei Erfahrung oder Ausbildung verfügte, ihre Qualifikation war, dass ihre Eltern gehörlos sind. Wir haben dann versucht, diese Situation zu verbessern, unsere Schreiben und Bitten zur Diskussion wurden vom Gericht abgeschmettert. Ach ...

Das Saarland rühmt sich mit dem Slogan "Saarland inklusiv", wir Menschen mit Hörbehinderung können davon nur träumen.

Dolmetscher bei der Verbraucherzentrale? Kostenfrage!!! Unabhängige Teilhabeberatung? Gibts nicht mit Gebärdensprache! Notrufsystem? Im Saarland funktioniert das für Menschen mit Hörbehinderung oder Sprachbehinderung immer noch nicht auf die Notrufnummern 110 und 112. Ärztlicher Bereitschaftsdienst? Da gibts nur eine Telefonnummer ... Kulturelle Teilhabe? Beispiele gibt es so viele!

Das Saarland ist Schlusslicht in Sachen Menschen mit Hörbehinderung ... bei DolmetscherInnen, bei der Beratungssitutation, bei der Lobby ... Seit 2003 hat sich nicht wirklich was verbessert!

Ach ... noch etwas: zusätzlich zu meiner Gehörlosigkeit sitze ich im Rollstuhl, mit dem Rolli unterwegs ... da fragen die Leute öfters: "Kann ich Ihnen helfen?" Bei der Kommunikation: Äh ...  so ist es ... noch Fragen???

Als Vorsitzende eines Vereins werde ich nahezu täglich mit Problemen von Menschen mit Hörbehinderung konfrontiert, die um Unterstützung bitten. Ich habe nicht die entsprechende Ausbildung dafür, aber die gehörlosen Menschen hier im Saarland wissen nicht, wen sie sonst fragen können, wenn sie Hilfe benötigen. Ich versuche dann zu unterstützen, obwohl es eigentlich nicht meine Aufgabe ist. Und ich glaube, in den anderen Gehörlosenvereinen hier im Saarland läuft es genauso. Deshalb: wirksame Verbesserung? Da müsste mehr getan werden. Und das ist nicht so einfach, denn Menschen mit Hörbehinderung für Menschen mit Hörbehinderung - das läuft alles ehrenamtlich und kann deshalb nie professionell sein so lange sich im Saarland bei Regierung und Sozialdiensten nicht wirklich was ändert.


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